In Memoriam

In Memoriam Waltraut Skoddow

31. März 1942 – 28. September 2014

Vor zwanzig Jahren, am 20. Juli 1994, gehörte Waltraut Skoddow zum Kreis der Gründungsmitglieder des FDA-Landesverbands Brandenburg um Hans-Dietrich Lindstedt und war später mehrere Jahre Landesvorsitzende.

Waltraut, als Kriegskind vaterlos in Knappenrode aufgewachsen, studierte nach dem Abitur Bibliothekswissenschaften, später absolvierte sie nochmals ein Fernstudium am Leipziger Literaturinstitut. Seit 1962 war sie mit Helfried Skoddow verheiratet, eine beeindruckende mehr als fünf Jahrzehnte währende Gemeinsamkeit, in der sich beide ergänzten und miteinander wachsen konnten. Sie waren wirklich ein Herz und eine Seele. Fünf Kinder, geboren zwischen 1962 und 1969, vervollständigten die Familie, in der ein musisches Klima, herzliche Gastfreundschaft und eine große Liebe zur Literatur das Leben aller prägten.

Wenn Waltraut später zum Beginn ihres Schreibens befragt wurde, erzählte sie gern schmunzelnd, dass eigentlich eine familiäre Debatte in den frühen Ehejahren der Auslöser war. „Ich wollte reden, aber Helfried wollte zu einem Fußballspiel gehen. Ich war ärgerlich. Er unterbrach mich einfach, lächelte und - schon fast zur Tür hinaus - verschwand er mit der besänftigend gedachten Bemerkung: „Schreib es auf, ich lese es später!“ Weg war er. Zuerst war ich sauer, dann wollte ich nur meinem Ärger Luft machen. Aber als ich seinem Rat folgend schrieb merkte ich, wie gut mir das tat. – Ja, so fing es an.“

Ihre Bibliographie zeigt, dass das Schreiben von ihr Besitz ergriff, zum Bedürfnis wurde. Sie schrieb Gedichte, Erzählungen, ein Hörspiel. Erste Veröffentlichungen folgten bald. Doch sie schrieb nicht nur, sondern las wissbegierig alles, was sie bekommen konnte. Bücher über Bücher gab es bei Skoddows.

Ich lernte Waltraut im Winter 1987 im Ferienlager für schreibende Schüler in Sebnitz kennen, für mich eine prägende Begegnung und der Beginn einer anhaltenden Freundschaft. Als 1988 ihr erstes Buch „Einen Mann fürs Leben“ erschien, schlug Heinz Knobloch sie für einen Förderpreis vor, die damalige Literaturkritik nörgelte mit dem seinerzeit typischen Spruch: „So sind unsere Menschen nicht.“ Erstaunlicherweise sahen die Leser – besonders die Frauen – das ganz anders. Ihrer immensen Reiselust und den anregenden Eindrücken am Schwarzen Meer war auch ein anderes ihrer Bücher zu danken, das einen langen und hindernisreichen Weg bis zur Veröffentlichung zurücklegen musste. 1989 war das Buch druckfertig, aber infolge der Wendewirren dauerte es über zwanzig Jahre, bis ihr Medea-Roman unter dem Titel „Blauer Himmel über Thessalien“ im SALON Literatur Verlag erscheinen konnte. Ein gutgemeinter, ambitionierter Abstecher in die Lokalpolitik in der Wendezeit verursachte heftige seelische Schrammen. Die Arbeit im Kulturamt machte ihr zwar Freude, aber in ihrer Gutgläubigkeit musste sie viel einstecken. Die unfairen Vertrauensbrüche ihres Vorgesetzten verarbeitete sie später zusammen mit weiteren enttäuschenden Erfahrungen in ihrem 2005 erschienenen Roman „Das überleben Sie nicht!“.

Trotz aller Probleme arbeitete Waltraut stetig weiter, veröffentlichte zahlreiche Texte und insgesamt sieben Bücher. Ob in ihren Literaturzirkeln, beim FDA, im großen Freundeskreis - überall war sie beliebt. In der gewachsenen Großfamilie mit Schwiegerkindern, neun Enkeln und zwei Urenkeln war sie liebevolle, treusorgende Mutter und Bilderbuch-Oma, die aber ihre Familie nicht nur bewirtete, sondern stets auch für geistige Anregung sorgte.

Überall mühte sich Waltraut mit dem ihr eigenen großen Harmoniebedürfnis um ein freundliches Miteinander aller. Doch das ging leider nicht immer glatt, weil sie die Ursachen vieler Probleme nicht beeinflussen konnte, auch oft zu gutgläubig war. Als Helfried Mitte der 90-er Jahre Bürgermeister der Stadt Welzow wurde und dort irgendwann zwischen die Fronten geriet, stand sie ihrem Mann tapfer stärkend zur Seite, so wie auch er sie stets in ihrer literarischen Arbeit unterstützte. Beide zogen ihre Kraft und Lebensfreude aus ihren gemeinsamen Erlebnissen, vermochten es, sich auch an den kleinen unscheinbaren Dingen des Lebens zu erfreuen.

Dennoch veränderte sich Waltraut im Laufe der letzten Jahre. Sie, die früher immer heiter und zuversichtlich war, litt, fühlte sich von Fremden oft unverstanden und zog sich langsam zurück. Für nahestehende Menschen wurde es immer deutlicher, dass Waltrauts Seele offenbar infolge zu vieler gravierender Verletzungen großen Schaden genommen hatte. Ihre einstmals nie versiegende Fröhlichkeit wurde immer öfter von Traurigkeit überschattet. Es war wohl die Summe ungezählter heftiger Enttäuschungen, aber ganz besonders der Erschütterungen, ausgelöst durch all das, was sich ihr bei der Lektüre ihrer umfangreichen Stasiakte offenbart hatte und den daraus folgenden Konflikten. Sie konnte das alles weder fassen noch unbeschadet verarbeiten.

Die lebensfrohe Frau wurde immer stiller, bis ihr Leben am Nachmittag des 28. September 2014, einem sonnigen Altweibersommertag, zu Ende ging.

In dankbarer Erinnerung.

Hannelore Schmidt-Hoffmann

 

Bibliographie:

              Einen Mann fürs Leben, 1988

              Zu keinem ein Wort, 1999

              Prinz Friedrich August von Sachsen - genannt Lehmann, 2000

              Das überleben Sie nicht!, 2005

              Lessing, 2007

              Lausitzer Kramkalender, 2009

              Blauer Himmel über Thessalien, 2009

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