Rezension zu "Das Hexenhaus"

25 neue Kurzgeschichten

von Anke Voigt

Anke Voigt, die Autorin dieser Sammlung, ist eine, die in der Kunst zuhause ist. Über das Musizieren und den beruflichen Gesang beim Berliner Rundfunkchor, fand sie in Jahrzehnten auch zu Prosa und Lyrik. Aus diesem Quartett setzt sich ihr heutiges künstlerisches Schaffen zusammen. Jedes hat darin seinen Stellenwert, nichts überdeckt das andere. Alle spiegeln sich in einander. So auch in diesen neuen 25 Kurzgeschichten.

 

Aber was heißt das? Geschichten? 

 

Anke Voigt protokolliert in nüchterner, leiser, berührend empathischer Weise Lebensmomente, Begegnungen und Beobachtungen. Solche, die mit vergehender Zeit GESCHICHTE geworden sind. Als Teil ihrer eigenen, oder jener Menschen, von denen sie erzählt.

 

In einem ihren Texten vorangestellten Zitat von Wilhelm Busch heißt es: Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.

 

Ein treffendes Credo für all ihre Geschichten aus dem Leben. Allen voran, das titelgebende Hexenhaus. Eine Erinnerung an eine fast unbeachtet alleinlebende, wunderlich scheinende, sehr alte Dame. Ein Gespött für die von der Schule kommend, vorbeilaufenden Halbwüchsigen. Eine Eigenbrötlerin.

 

Anke Voigt hatte Geduld und nahm sich Zeit, hinter die Geschichte dieser Frau zu kommen. Ähnlich bei den anderen 24 Erinnerungen ganz unterschiedlicher Art. Sie nimmt Menschen verschiedener Generationen in den Blick. Im Abstand der Jahre gedenkt sie u.a. der „Kadertante“ von damals, reflektiert verflossene Lieben oder entdeckt den „Klang der Sprache“, den ihr ein junger Kubaner bewusstmacht. Sie erzählt von Menschen, die sich am Rande wähnen. Von Zwillingspuppen. Und erweckt noch einmal Gefühle, die uns die plötzlich offene Grenze 1989 bescherte. Eine knappe Buchseite beschreibt einen „Smalltalk auf norddeutsch“. Mehr Worte brauchte es ja nicht.

 

Jede ihrer Geschichten konfrontiert uns mit dem Leben inmitten ganz gewöhnlicher Alltage im Fortfluss der Jahre. Mit den Episoden, die neben unseren eigenen Momenten aufscheinen, wenn wir den Blick nicht nur nach vorn, sondern dann und wann auch wach zur Seite richten. Die Autorin ist eine unaufdringliche Beobachterin. Fein erzählend, hält sie lebendig, was sonst fort und unverdient unerzählt geblieben wäre. Das macht die Mission heutigen Schreibens aus.

 

  

 

Günther H. W. Preuße

Januar 2022

 

 

 

 

Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand; 1. Edition (23. Dezember 2021)

Sprache ‏ : ‎ Deutsch

Taschenbuch ‏ : ‎ 120 Seiten

ISBN-10 ‏ : ‎ 3755758822

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755758822

 

Druckversion | Sitemap
© FDA-Brandenburg