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Rezension zu Achzehndreizehn

von Günther H. W. Preuße

 

A

chtzehndreizehn Lyrik – lautet der Titel des neuesten Buches von Bernd Friedrich Strattner.
Und es definiert sich sogleich am Beginn unmissverständlich. Ordnet sich zum Genre LYRIK!

Es ist – wieder – muss man sagen, ein besonderes Buch des Autors.

Die Sprache darin dient nicht (wie man es eigentlich gewohnt ist) dem Erzählen historischer Ereignisse. Hier: um den Verlauf der Völkerschlacht bei Leipzig... In erster Linie geraten,  nach dem Willen  des Dichters ausdrücklich, die geschichtliche Kulisse und einige dazugehörige bekannte  Protagonisten, ihre Monologe und Dialoge zum Mitteln dessen, worum es geht: Interaktion von Reimformen und Versen...

Dieses Buch will auf seinen 440 Seiten nicht zu allererst noch einmal der Erinnerung, dem Wiedererzählen von Ereignissen eines gewaltigen Befreiungskrieges neuen Raum geben. Sondern dem Besonderen von Wort  und Sprache! Erst in zweiter Linie erfahren Erinnerungen und die freie Rekonstruktion des Historischen ihre künstlerisch vielfältige, lebendige Reinkarnation im Lyrischen. So als koche jemand nur des Duftes wegen! Geschrieben ganz in der kunstvollen Weise, die Bernd Friedrich Strattners Schreiben ausmacht.

Man ahnt, dass Achtzehndreizehn mehr als eine enorme Geschichtsrecherche voraus ging. Man spürt, wie sehr sich der Autor in Lage und Tage, Denken und Seele manches Protagonisten einfühlte – bevor er das dabei Gewonnene WORT werden ließ. Bernd Friedrich Strattner ist nicht nur ein beeindruckender Lyriker und Literat. Er ist zudem jemand, der sich  in heutigen Zeiten verflachender und eher sterbender, denn sich wandelnder Sprache schreibend daranmacht, Verlorenes an Sprache wieder auszugraben. So wie es einem Archäologen gelingt, Verdecktes durch Graben und Pinseln neu zum Vorschein zu bringen.

Es finden sich ungewohnte, sehr reizvolle lyrische Kompositionen in diesem Buch. Was dem sprachlich Zeitgeistigen, antiquiert erscheint, erweist sich Freunden am Wort als Reichtum besonderer Art. Nichts für den Alltagsgebrauch  - natürlich nicht! Man geht auch nicht jeden Tag ins Museum.

 Achtzehndreizehn erweist sich als ein besonderes Kunstprodukt! WORTKUNST im wirklichen Sinne. Aus der Stimmung, die dieser Form des Erzählens erwächst, erhellt es einem geduldigen Leser dazu noch GESCHICHTE.

„Die Nacht ruft uns zur Ruhe auf...“,  „Schon morgen muss das Heer mir aufgefrischte Männer bringen...“, „Licht ist  der Zustand nicht, der um die Wüstenei entfacht...“ „So heben wir die Mörderbrut ins frischgemachte Bett der schlafenden Kanaillen...“ , „O Tränen zorngen Leids...“

In solchem Tone begegnen dem aufmerksamen Leser Napoleon Bonaparte, Friedrich Wilhelm III., der preußische Generalleutnant von Yorck, der russische Zar Alexander, Mac Donald -  ein französischer Marschall, August Neidhardt von Gneisenau, Gerhard von Scharnhorst und andere.

Auf der Rückseite des Einbandes heißt es: „Auch in der heutigen Zeit sind lyrische Dramen und Tragödien zeitnahe und impulsive Gegenstücke zur Prosa“ .

Dieses anspruchsvolle Buch beweist es!

„Habt Acht auf Euch...“ lautet der letzte Satz dieses besonderen Werkes.

 

(GHW P. verfasst im März 2017)